Helmuts Weblog

»Die Basis einer gesunden Ordnung ist ein großer Papierkorb.« – Kurt Tucholsky


Ich fühle mich leicht veräppelt

Letztes Jahr war der Aufschrei ja bekanntlich groß, als Apple eine kleine Passage in den Datenschutzbestimmungen geändert hat. Man räumte sich ein, Standortdaten von Apple-Geräten zu erheben. Wie das aber genau vonstatten gehen würde, wusste niemand so wirklich. Ich habe mir seinerzeit gedacht: »Ach, erst mal abwarten, wird sicher nicht so schlimm werden. Außerdem gibt Apple ja sicher rechtzeitig Bescheid.«

Von wegen. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, protokolliert Apples iOS schon seit fast einem Jahr fleißig jede Bewegung heimlich mit. Die Daten bleiben zudem nicht nur auf dem Gerät sondern werden sicherheitshalber gleich noch unverschlüsselt im Backup gespeichert. Natürlich auch ohne Wissen des Users.

Auf der Webseite der beiden Entdecker der iOS-Spionagefunktion kann man sich jetzt die Software »iPhone Tracker« herunterladen, welche diese Daten wunderhübsch mit Datum auf einer Karte visualisiert. Meine Frau hat mir das vorhin mal auf ihrem MacBook Pro demonstriert. Amüsant fanden wir das aber beide nicht. Wie die gesamte Prozedur in etwa aussieht, kann man in diesem Video sehen.

Was nun? Tja, ich bin erst mal ziemlich sauer. Viele werden jetzt sagen, dass der Mobilfunkanbieter auch weiß, wo seine Kunden waren und sind. Richtig. Das wusste ich aber schon vorher. Außerdem deponiert mein Mobilfunkanbieter diese Daten nicht ungefragt und unverschlüsselt auf den Telefonen und Festplatten seiner Kundschaft, so dass diese im schlimmsten Fall von einem überdurchschnittlich begabten Schimpansen ausgelesen werden könnten. Und in Foursquare und Gowalla loggen sich die meisten Menschen vermutlich auch aus freiem Willen und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ein.

Die ganzen Apple-Jünger können sich den Mist meinethalben gerne wieder schön reden mit »Code-Sperre und Daten löschen« oder »Backups verschlüsseln« usw. So schlau bin ich auch. Ich verschlüssele schon seit Jahren alles, auf das man elektronische Daten speichern kann, von meinem Windows über meine Linuxe bis hin zum hinterletzten USB-Pinöpel. Und »ich habe nichts zu verbergen!!!!!111elf«, sondern lege nur viel Wert auf meine Privatsphäre.

Was mich am meisten ärgert ist eben die Tatsache, dass Apple seine Kundschaft pauschal für dumm verkauft, ihnen dieses „Feature“ in völlig untransparenter Art und Weise unterjubelt und ich (was noch viel schlimmer ist) diese schwammigen Datenschutzbestimmungen überhaupt unterschrieben habe – gegen die Apple im Übrigen selbt verstößt; die Daten sind ja eben nicht anonym.

Man kann es drehen und wenden wie mal will: »Strategie zum Schutz der Persönlichkeitsrechte« klingt in diesem Kontext immer wie blanker Hohn.

Siehe auch

Tags: #tech, #software, #smartphone, #apple, #ios, #iphone, #datenschutz, #privatsphaere, #kritik, #ueberwachung, #txt